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Archive for the ‘Allgemein’ Category

Open Weltuntergang

Das Ende ist nah – das könnte man zumindest meinen, wenn man in den letzten Wochen auf die Wissenschaftsseiten bzw. in die Feuilletons diverser Zeitungen schaute. Alles begann damit, daß Anfang Februar der Editionswissenschaftler Roland Reuß, der immerhin „digitale Medien“ zu seinen Arbeitsschwerpunkten zählt, in der zum Kulturpessimismus neigenden und von den digitalen Medien vollkommen überforderten FAZ die Alarmglocken schlug und vor einer „heimliche[n] technokratische[n] Machtergreifung“ warnte, die nichts weniger als die Freiheit der Forschung bedrohte. Er argumentierte hier nicht gegen, nein er „leugnete“ (so seine eigenen Worte) die von ihm ausgemachten Vorteile und Nachteile von Open Access. Eine genauere Würdigung seines hauptsächlich von Polemik geprägten Textes will ich gar nicht durchführen – Gudrun Gersmann tat das bereits sehr gut und sachlich – einzig einen Punkte will ich nicht unkommentiert lassen: Open Access ist nicht zwangsläufig billiger, als die Veröffentlichung in einem Verlag – das gewichtigere Argument besteht in der für die Urheber – nicht Verwerter – besseren Situation in Bezug auf die Rechte bei ihren Veröffentlichungen: diese bleiben erst einmal bei den Urhebern, es werden ja keine ausschließlichen Rechte eingeräumt. Ein knappen Monat später gelang es Reuß dann wieder einen Artikel in einer großen Tageszeitung unterzubringen, diesmal in der in digitalen Dingen nicht ganz unbeleckten Frankfurter Rundschau. Hier verquirlte er dann recht gekonnt zwei Dinge, die eigentlich nichts miteinander zu tun haben: Google Books und Open Access – ein nicht ungeschickter Schachzug. Von diesen Artikeln offensichtlich beeinflußt, warnte der Journalist Rudolf Walther in der in Netzdingen und digitalen Medien eigentlich recht kompenteten taz vor „Open Enteignung“ und mischte in das Wirrwarr um Google Books und Open Access auch noch die – durchaus ernstzunehmende – Problematik der Langzeitverfügbarkeit von digitalen Inhalten – natürlich nicht ohne ein Hohelied auf analoge Medien zu singen, denn Hieroglyphen wären ja immer noch lesbar. Das Historische Archiv der Stadt Köln war rund zwei Wochen vorher eingestürzt – mit einem Gutteil seiner Bestände. Aber was muß man sich an die Nachrichten von vor zwei Wochen erinnern, wenn man doch vor der „Google-Piraterie“ und dem „‚Open-acces‘-Schwindel“ warnen kann, die „gefährlicher als die Piraterie entlang der somalischen Küste“(sic!) sind. Wenn die Artikel auch ein interessantes Licht auf die so vielgelobten Qualitätssicherungsmechanismen in durchaus seriösen Tageszeitungen werfen, so ist der bisherige Höhepunkt, der „Heidelberger Appell“, unter dem Aspekt der Unterzeichner noch viel interessanter: nachdem in ihm nun alles in einen Topf geworfen wurde, was einige Rechteinhaber unangenehm berührt (Google Books, Open Access, Youtube) fällt trotzdem die große Menge an Literaturwissenschaftlern auf – ebenso wie viele weitere Geisteswissenschaftler und natürlich auch (bellestrische) Autoren. Ob sich daraus etwas ablesen lässt? Vielleicht – und damit meine ich nicht, das die FAZ hauptsächlich von Geisteswissenschaftlern gelesen wird. Vielmehr scheint das Wissen um Open Access, seine Randbedingungen, seine Vor- und Nachteile noch nicht so weit in diesen Disziplinen verbreitet zu sein, als daß man eine Leimrute erkennen würde. Warum sich literarische Autoren gegen Open Access verwahren, scheint mir auch seltsam – wendet sich doch der gesamte Open-Access-Gedanke an wissenschaftliche Autoren. Die der „weitreichende[n] Eingriffe in die Presse- und Publikationsfreiheit, deren Folgen grundgesetzwidrig wären“ geziehenen Wissenschaftsorganisationen reagierten mit einer gemeinsamen Stellungnahme, die hoffentlich ebenso breit rezipiert werden wird, wie die vorhergehenden Artikel. (Eine recht ausgewogene und noch deutlich vollständigere Darstellung bietet Matthias Spielkamp, die Chronistenpflicht übernahm infobib.)
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InfoWissWiki-Visualisierungen

Das Wiki der Fachrichtung Informationswissenschaft ist in den letzten Wochen und Monaten munter weiter gewachsen, nicht zuletzt dank der vielen Studierenden, die im Rahmen verschiedener Seminare neue Inhalte eingestellt und bestehende Artikel aufgeräumt/überarbeitet haben. Das Wiki stellt mittlerweile eine Art Weiterführung des so genannten „Terminosaurus Rex“ dar, der seit vielen Jahren die Terminologie der Informationswissenschaft „hütete“. Zum Abschluss des Semesters suchten wir nach einer Möglichkeit, die semantischen Beziehungen zwischen den einzelnen Artikeln auch in graphischer Form anschaulich darzustellen. Viele Wiki-Einträge sind bereits durch Relationen wie „broader„, „narrower“ und „related“ semantisch angereichert und verknüpft. Diese semantischen Beziehungen im Wiki bieten somit eine ideale Möglichkeit zur Visualisierung der Beziehungen zwischen verschiedenen Einträgen in Form von gerichteten und ungerichteten Graphen. Die bisherigen Visualisierungen sind innerhalb weniger Stunden aus einer gewissen Experimentierfreude heraus entstanden und sind dementsprechend noch recht rohe Testversionen. An vorderster Front kam das GraphViz-Paket zum Einsatz, aber auch im Web verfügbare Flash- und Java-Module wurden in den Test eingebunden. Die optimale Lösung stellen aber alle Ansätze noch nicht dar, angesichts der üppigen Datenmengen rechnet vor allem „dot“ aus dem GraphViz-Paket mehr als zwei Stunden auf meinem aktuellen „Core 2“-PC um eine möglichst kollisionsfreie Abbildung zu erzeugen. Für Technik-Interessierte: Erzeugt wurden die Graph-Rohdaten für „dot“ (und die anderen Visualisierungsformen) über ein einfaches PHP-Skript, welches die PHP RDF-API nutzt, um mittels SPARQL-Abfragen den RDF-Dump des InfoWissWikis auszuwerten. Wer sich die bisherigen (noch nicht ganz fehlerfreien) Ergebnisse der kurzen Entwicklungs-Phase anschauen will, kann dies dort tun. Insbesondere die Repräsentation in Form einer Flash-Anwendung (basierend auf dem RelationBrowser von Moritz Stefaner) hat sich als sehr ansprechend erwiesen und es ist geplant, dieses Flash-Modul mittelfristig direkt in das InfoWissWiki zu integrieren. Ideen/Anregungen für andere Visualisierungsmethoden sind herzlich willkommen — ebenso sachdienliche Hinweise, wie man eine PNG-Datei mit 35.000×9.000 Pixel möglichst geschickt ausdrucken könnte 😉

Screencast „Verschiedene Aspekte des Blended-Learning“

Aufbauend auf dem ersten Screencast der Reihe („E-Learning“) wurde heute der zweite Screencast zum Thema „Verschiedene Aspekte des Blended-Learning“ veröffentlicht. Inhaltlich wird dabei näher auf Kombinationsmöglichkeiten von klassischen Lehrformen und E-Learning Szenarien eingegangen (sog. „Blended-Learning“). Ebenso werden verschiedene Beispiele aus der Praxis kurz vorgestellt und erläutert. Abschließend werden Stichpunkte zur weiterführenden Diskussion angesprochen. Der nächste Screencast zum Thema „Korrektes Zitieren in wissenschaftlichen Arbeiten“ wird in ca. 3-4 Wochen veröffentlicht werden. Über Verbesserungs- und zukünftige Themenvorschläge im Rahmen dieses Blogs oder über die Projektseite würden wir uns freuen. Blended Learning (Februar 2009)

Blended-Learning Download (Zip-Format, 16 MB)
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1. Preis des Vereins zur Förderung der Informationswissenschaft (VFI)

Am 19.01.2009 hat die Vergabekommission des Vereins zur Förderung der Informationswissenschaft (VFI) entschieden, in diesem Jahr folgende Preise für herausragende akademische Abschlussarbeiten zu vergeben: 1. Preis (€ 1000): Sebastian Böll. A Scientometric Method to Analyze Scientific Journals as Exemplified by the Area of Information Science. Magisterarbeit, Univ. des Saarlandes, 2007. … Der erste Preis wird für eine Arbeit vergeben, in der einerseits der theoretische Stand zu einem Kernbereich der Informationswissenschaft kompetent und didaktisch ansprechend dargestellt wird und andererseits interessante methodische Ansätze empirisch verfolgt werden, wodurch sich auch eine solide Basis für weiterführende Forschungen ergibt. … Dr. O. Oberhauser / Dr. M. Hekele Vorsitz Vergabekommission / Schriftführer VFI Verein zur Förderung der Informationswissenschaft (VFI) http://www.ub.tuwien.ac.at/vfi/VFI_Preis.html

ViBI: Benachrichtigung über neue Bücher via Twitter

ViBI kann nun auch „zwitschern“. Wer den RSS-Feed zu Neuanschaffungen in der Institutsbibliothek nicht nutzen kann/will oder einfach auch zusätzlich via Twitter über Neuanschaffungen informiert sein will, der kann nun den Twitter-Feed von VIBISB abonnieren. twitter-logojpgTwitter ist ein so genannter „Mikro-Blogging-Dienst“, über den Nutzer Nachrichten von maximal 140 Zeichen Länge verschicken können. Eigentlich liegt der klassische Anwendungszweck für diesen Dienst eher im Publizieren von kurzen „Was machst Du gerade?“-Status-Nachrichten, gerne auch unter Nutzung von mobilen Endgeräten. Unser ViBI-Twitter-Feed ist somit in gewisser Weise eine Art „Zweckentfremdung“ (und zugegebenermaßen in erster Linie auch ein Test der Twitter-API). RSS/Atom ist für solche Anwendungsfälle deutlich besser geeignet, insbesondere angesichts der Längenbegrenzung bei Twitter: Innerhalb von 140 Zeichen lassen sich nur sehr wenige bibliographische Daten (inkl. URL) unterbringen. Reizvoll wäre jedoch ein weiterer Ausbau der Funktion: So wäre es denkbar, Anfragen zur Verfügbarkeit oder zum Standort eines Buchs in Form von „@VIBISB Buchtitel“ (bspw. per Mobiltelefon/SMS) an Twitter/ViBI zu stellen und automatisch die gewünschten Informationen als Twitter-Reply zu erhalten. Leider versendet Twitter aber keine SMS-Benachrichtigungen mehr, so dass man als mobiler Nutzer auf eine Wireless LAN-Anbindung zurückgreifen müsste. Und dann kann man in der Regel auch gleich die ViBI-Website aufrufen…
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Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche Nationalbibliothek

Es ist zwar nichts Neues, aber immerhin eine Nachricht, dass zwei Jahre nach dem Gesetz über die Deutsche Nationalbibliothek, in dem die Archivierung deutscher Internetseiten festgeschrieben wurde,  jetzt eine Verordnung zur „Pflichtablieferung von Medienwerken an die Deutsche Nationalbibliothek“ vorliegt, die die Fragen, die schon die ganze Zeit bestanden, allerdings in keiner Weise löst: wie unterscheidet man private (also nicht archivpflichtige) und archivpflichtige Webseiten, was ist mit dynamischen Seiten, wie werden die Probleme der Langzeitarchivierung angegangen, ab wann wird archiviert, müssen Websitebetreiber ihre Seiten selbst anmelden? vgl. Artikel in heute.de: http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/22/0,3672,7398806,00.html

Doku „Wer hat meine Daten?“ im SR-Fernsehen

Die Neuauflage der Dokumentation „Wer hat meine Daten? Wie wir weltweit ausspioniert werden“ zeigt das SR-Fernsehen am morgigen Mittwoch um 13:45 in der Reihe „betrifft“. Die 45-minütige Dokumentation von Erich Schütz und Detlev Koßmann beschäftigt sich mit dem weltweiten Handel mit persönlichen (Nutzer-)Daten und zeigt auf, welche Rolle das Web dabei spielt. Die erste Version dieses Films wurde bereits 2006 in den dritten Programmen der ARD (und später Phoenix) ausgestrahlt (siehe auch YouTube), laut der Homepage von Detlev Koßmann handelt es sich bei der nun gesendeten Version aber wohl um eine aktualisierte Fassung bzw. Fortsetzung aus dem Jahr 2008.

Analoger Vorläufer des Web

Über einen Artikel in der New York Times bin ich darauf aufmerksam geworden, dass im Belgischen Mons (nur 3 Autostunden von Saarbrücken entfernt) ein für InformationswissenschaftlerInnen interessantes Museum darauf wartet erkunded zu werden. Den Ursrung des Museums bildet die Vision Paul Otlets (am ende des 19. Jarhunderts) das komplette Wissen der Menschheit für alle von zu Hause aus zugänglich zu machen. Die Umsetzung erfolgte mit Hilfe eines rießigen Archievs, dass Mundaneum, dessen Inhalte über zahllose Karteikarten vernetzt und zugänglich gemacht wurde. Anfragen aus aller Welt wurden per Telegraph empfangen und mit Hilfe des Mundaneum recherchiert. Aus diesem Grund wird das Mundaneum auch manchmal als die erste, wenn auch analoge, Suchmaschine beschrieben.

Nochmal das Thema: Macht Google blöd?

Noch ein Beitrag dazu, wie das Web (möglicherweise) unser Denken verändert. (Über die Veränderung des Lesens und Lernens gab es in diesem Blog schon einen Beitrag am 5.3.2007.) Is Google Making Us Stupid? What the Internet is doing to our brains Autor: Nicholas Carr Quelle: http://www.theatlantic.com/doc/200807/google. July/August 2008 Atlantic Monthly (weitere Kommentare in Carrs Weblog: http://www.roughtype.com/) Kubrick’s „2001 – A Space Odyssey“ ist Ausgangspunkt für eine Beschreibung der google-Welt, in der wir heute leben:

“Dave, my mind is going,” HAL says, forlornly. “I can feel it. I can feel it.” So spricht HAL, der Supercomputer (anzuhören unter : http://www.palantir.net/2001/tma1/wav/feelit.wav), während der Astronaut Dave einen Schaltkreis nach dem anderen abschaltet . Der Computer erscheint menschlich, und der Mensch handelt wie ein Roboter.

Carrs Annahme ist, dass das Web nicht nur verändert, wie wir lesen, sondern auch, wie wir denken. Er führt eine lange Reihe (bekannter) Argumente an, die zeigen sollen, wie neue Medien das Denken verändert haben (insgesamt eine sehr interessante Aufzählung, die sicher den einen oder anderen neuen Aspekt aufzeigt),

– angefangen bei Sokrates, der befürchtete, dass das Schreiben dazu führen könnte, dass die Menschen in ihren Köpfen überhaupt kein Wissen mehr speichern würden, über

– die Erfindung der mechanischen Uhr, die hinfort das Denken und Handeln der Menschen bestimmte, über

– Gutenbergs Druckerpresse, die zu intellektueller Faulheit führen würde, über

– Nietzsches neue Schreibmaschine, die seinen Schreibstil vollkommen veränderte, von Texten zu Aphorismen, von Argumentationsketten zum Telegrammstil, über

– die Stoppuhr von Frederick Winslow Taylor, der die Arbeitseffizienz und damit den Taylorismus begründete, zu

– Google, dessen Macher behaupten, uns allen würde es viel besser gehen, wenn man alle Informationen der Welt direkt mit unserem Gehirn verdrahten könnte (wobei, wenn man drüber nachdenkt, die Szene im Raumschiff plötzlich eine ganz neue, unheimliche Dimension erhält).

Dieser Blogartikel ist ja auch ein Beispiel dafür, wie durch das Web Argumentationen verkürzt werden, weil die Aufmerksamkeit für längeres Lesen nicht mehr ausreicht, oder? Wer dieses Argument Lügen strafen will, kann ja mal Carrs Artikel am Stück lesen (siehe oben), ohne sich durch Hyperlinks ablenken zu lassen.

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